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Der Truppenübungsplatz

Geschichte des ehem. Truppenübungplatzes Münsingen

Der Truppenübungsplatz

Was 1895 begann und 2005 endete war die 110 Jahre andauernde Nutzung des "Münsinger Hardts" durch das Militär.
Über die verschiedenen politischen Epochen hinweg haben hier tausende Soldaten in den unterschiedlichsten Uniformen das "Leben im Felde" und den "Scharfen Schuß" geübt.

Durch die politische Entspannung in Europa und der damit verbundenen Transformation der Bundeswehr ( = Reduzierung ) ist dies jedoch nunmehr alles zur Historie geworden.

Lesen Sie hier die Geschichte vom Beginn bis zum Ende der militärischen Nutzung :

 
Der Truppenübungsplatz

Vorgeschichte
Die Errichtung des Truppenübungsplatzes Münsingen steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Deutschen Reiches zwischen 1871 und 1914 und der damit zusammenhängenden Machtposition Deutschlands in Europa.

Durch die damalige rasche industrielle Entwicklung wurde auch die Waffentechnik gefördert, die im Zusammenhang mit der militärischen Strategie neue Anforderungen an die bewaffneten Verbände stellte. In den Jahren 1892 - 1898 entstanden daher in Deutschland die ersten größeren Truppenübungsplätze.

Das Gesamtheer des deutschen Kaisers vor dem 1. Weltkrieg setzte sich aus den Armeekorps der einzelnen Länder zusammen. Jedem Armeekorps war dazu ein Truppenübungsplatz für die Schießausbildung und für militärische Übungen zugeteilt. Die Länder hatten dabei eine gewisse Eigenständigkeit in der Verwaltung und Ausbildung ihrer Truppenübungsplätze.

 
Der Truppenübungsplatz

Königreich Württemberg
Die Truppen des Königreiches Württemberg waren im Rahmen der Kaiserlichen Armee im XIII. Königlichen Württembergischen Armeekorps mit seinen zwei Divisionen zusammengefasst. Erste Nachrichten über die Errichtung eines Truppenübungsplatzes für das XIII. Württembergische Armeekorps kamen im Dezember 1894 an die Öffentlichkeit. Es stand aber nicht nur das Münsinger Hardt zur Diskussion, sondern vor allem die Projekte Böhmenkirch oder Nellingen. Beide Vorschläge sollten ein Gebiet von je 5.000 ha und ca. 9 Mio. Mark Gesamtkosten umfassen.

Nach einer Besichtigung durch die württembergische Generalität im April 1895 entschied man sich jedoch für das Münsinger Hardt weil dieses Terrain billiger und leichter zu erwerben war und weniger Umsiedlungen notwendig wurden. Für das ehem. Oberamt Münsingen, traditionell eher landwirtschaftlich geprägt, bedeutete diese Entscheidung auch enorme Chancen für einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung.

Am 12. März 1895 wurden im Reichstag 9 Mio. Mark als erste Rate für den Grunderwerb verlangt; die Kommission strich davon 4 Mio. Mark, danach wurde der Titel von 5 Mio. Mark ohne Debatte bewilligt.

Am 7. Oktober 1895 wurde der Ankauf der in Frage kommenden Flächen beendet, dabei mussten 17 Zwangsenteignungen - vorwiegend in Auingen und Böttingen - durchgeführt werden. Ende 1895 betrug die Größe des Truppenübungsplatzes 3.669 ha.

Am 24. Oktober 1895 wurde auf dem Münsinger Hardt zum ersten mal "scharf geschossen" und mit dem Bau des Lagers begonnen.

 
Der Truppenübungsplatz

Kaiserzeit und Weimar
Im Ersten Weltkrieg diente der Truppenübungsplatz sowohl als Übungsgelände und Standort für die Aufstellungen neuer Verbände wie auch - kurz vor Kriegsende - als Kriegsgefangenenlager.

Mit dem Beginn der Demobilisierung im Jahre 1919 gab es einen grundlegenden Wandel bei den deutschen Streitkräften. In den Jahren 1919 bis 1922 mussten die Bedingungen des Versailler Vertrages Schritt für Schritt hin zum "Einhunderttausend Mann-Heer" erfüllt werden.

In dieser Zeit übten auf dem Truppenübungsplatz Münsingen sämtliche Reichswehrtruppen mit Ausnahme der Verbände, die in dem vom Mutterland abgetrennten Ostpreußen stationiert waren.

 
Der Truppenübungsplatz

NS-Zeit
Während der nationalsozialistischen Herrschaft und des Zweiten Weltkrieges ist Münsingen Station für eine Vielzahl von Neuaufstellungen von Verbänden. Darunter, neben deutschen Einheiten, am 8. September 1943 der Befehl zur Aufstellung der 4. italienischen Gebirgsdivision (Alpini) "Monte Rosa" und im November 1944 die Aufstellung der 1. Wlassow-Division, als Teil der sogenannten "russischen Befreiungsarmee".

In diese Zeit fällt auch die enorme flächenmäßige Vergrößerung des Platzes, verbunden mit der Umsiedlung der Bevölkerung des Dorfes Gruorn.

 

nach 1945
Im April 1945 verließen die letzten Soldaten der Wehrmacht angesichts der heranrückenden amerikanischen Truppen den Truppenübungsplatz. Nach der nur wenige Wochen dauernden Besetzung Münsingens durch die Amerikaner ging der Truppenübungsplatz schon im Frühsommer 1945 - im Zuge der Aufteilung des ehemaligen Deutschen Reiches in Besatzungszonen - in französische Hände über.

In den Jahren 1945 und 1946 fanden vereinzelt Schießen der in Münsingen stationierten französischen Truppen statt.

Der Platz wurde ab 1948 aber auch landwirtschaftlich genutzt und in Gruorn waren Kriegsflüchtlinge untergebracht.

 
Der Truppenübungsplatz

Französische Kommandantur
1957 wird durch die Indienststellung des Verbindungskommandos der Bundeswehr in Münsingen die kameradschaftliche Zusammenarbeit mit der französischen Kommandantur und dem 42° Groupement de Camp begründet und der Truppenübungsplatz zwei Hauptnutzern - Bundeswehr und französische Streitkräfte - zugeteilt. Grundlage für die weitere Zusammenarbeit wird dann ein Abkommen zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und dem Oberkommando der französischen Streitkräfte in Deutschland von 1960.

Hier wird die kostenfreie Mitnutzung des Truppenübungsplatzes Münsingen im Umfang von 50 Prozent Jahresanteil durch die Bundeswehr vereinbart.

Im Gegenzug erhielten die französischen Streitkräfte gleichwertige Belegungszeiträume auf den von der Bundeswehr verwalteten Truppenübungsplätzen Baumholder und Heuberg.

 
Der Truppenübungsplatz

Die Bundeswehr wird Platzherr
Im Rahmen der veränderten sicherheitspolitischen Voraussetzungen und des internationalen Abbaus von Truppen in Deutschland gaben die französischen Streitkräfte im Juli 1992 den Truppenübungsplatz Münsingen ab, die Bundeswehr übernahm die Fortsetzung des Betriebes und stellte zum 1. August 1992 nun eine deutsche Truppenübungsplatz-Kommandantur in Dienst.

Nach Anpassung des Personalumfangs an die veränderten Aufgaben betrug ihre Stärke bis zur Außerdienststellung 30 Soldaten und 126 zivile Mitarbeiter.

In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt wurden zahlreiche Gebäude instandgesetzt, Heizungen, Ver- und Entsorgungsleitungen modernisiert und an zeitgemäße Umwelterfordernisse angepasst, sowie die Ausbildungsanlagen des Truppenübungsplatzes kontinuierlich modernisiert. Darunter zwei, die mit modernen computergesteuerten Zielanlagen ausgestattet waren.

 
Der Truppenübungsplatz

Foto J. Lenk

Das Ende
Am 21. Oktober 2005, 12 Uhr Mittags, wurde der Truppenübunsplatz außer Dienst gestellt und an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben BIMA zur weiteren Verwendung übergeben.

Hier kann nun das erste Biosphärenreservat in Baden-Württemberg entstehen.

Text: Bundeswehr, Streitkräftebasis. www.streitkräftebasis.de